e(E)inblick ins Workbook

Eine kleine Serie zum Theatersommer Bergkirchen 2022

von Ausstatterin Ulrike Beckers


Vor fast einem Jahr haben wir mit den Planungen und Vorbereitungen für den „Brandner Kaspar“ begonnen. Da tauchen schnell eine Fülle von Ideen, Fantasien, Recherchen und Plänen auf. Bevor alles unübersichtliches Chaos wird, muss Ordnung her und damit ein Workbook. In einer kleinen Serie gibt es hier nun ein paar Einblicke ins Workbook der Ausstatterin Ulrike Beckers.





Wie ist unser Kaspar angezogen? Zuerst ist er ja ein „armer Hund“, später dann ein wohlbestallter Bauer, Schlosser und Büchsenmacher. Anregungen geben alte Fotografien und Gemälde, z.B. von Wilhelm Leibl.







„Die alte Senftl ist zu dünn!“

Das ist natürlich Unsinn, die alte Aloisia Senftl ist in unserem Stück eine imposante, reiche und bedeutende Persönlichkeit in Brandner Kaspars Dorf. Die Schauspielerin, die die alte und später im Stück auch die junge Senftl verkörpert, ist groß und sehr schlank. Um Julia und auch mir einen Spaß zu machen, bekommt sie unter das erste Kostüm einen „Unterbau“, gar nicht so einfach, wenn nur eine Schneiderpuppe zur Anprobe da ist. Zu dick darf das Teil auch nicht sein, sonst passt das Kleid nicht mehr.






Heute blättern wir im Workbook mal nach Requisiten. Der Stücktext gibt vor: Michael „Lass ma's durch'n Fraunhofer schau'n!“ Gemeint ist sicher nicht Joseph von Fraunhofer sondern ein großes Fernrohr. Schon klar, aber woher nehmen? Solche Teile stehen im Museum, interessant, hilft aber nicht weiter. Das allzeit schlaue Internet bietet Repliken an, nützt auch nichts, zu winzig, zu teuer.


Gut, dass seit Ewigkeiten ein merkwürdiger Gegenstand im Fundus vor sich hin dämmert, so eine Art Stativ oder Bildhauerbock, groß, schwer, sperrig und verschrammt – also ideal als Teil für einen himmlischen „Fraunhofer“. Pappröhren und Sperrholz, ein alter Scheinwerfer, Sägen, Schrauben, Kleben, Malen, Goldbronze und Ziernägel, zwei Tage – eine vergnügliche Arbeit.






„Ein großer Plan braucht viele Pläne“ - Oktober 2021 bis Anfang Juli 2022


1.  Position und Größe der Bühne

- richtet sich nach der Anzahl und Anordnung der Zuschauerreihen: 5 x 6 m

- Schmalseite der Halle, vor dem Durchgang zu Küche/Lagerraum

- ermöglicht Auftritt von hinten und Position des Beamers


2. Position von Projektionswand und Beamer

- Martin Beckers baut ein Modell der Halle, wir bekommen einen Eindruck von den Proportionen

- Stefan und ich machen Projektionsversuche und können damit die maximale Größe der Projektionswand = Operafolie und den kleinstmöglichen Abstand des Projektors festlegen

- gemeinsam mit dem Regisseur wird festgelegt, dass die Bühne geteilt wird, dadurch ergibt sich die Möglichkeit eines „Schattenspiels“ in den Projektionen     


3. Traversenkonstruktion

- Ingo und Stefan planen das Projektionsgerüst mit den normierten Bauteilen, die wir ausleihen können

dazu liefert Ingo auch räumliche Ansichtspläne, erleichtert die Vorstellung 


4. zeitliche Abfolge

- Stefan erstellt einen genauen Zeitplan für Anlieferung und Aufbau

am 1. Juli abends stehen Bühne und Gerüst nach einem Tag (und einer halben Nacht) reger Bautätigkeit





Fortsetzung folgt....

 

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SPIELZEIT 2021/2022